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2:1 (1:0)
Der FC Bremerhaven hat das Pokalhalbfinale beim Brinkumer SV mit 1:2 verloren. Doch nicht das Ergebnis als solches wird noch lange für Diskussionstoff sorgen. Die Art und Weise des Zustandekommens und Schiedsrichter Joachim Thölkens unrühmliche Rolle in diesem Skandalspiel sind es, die Antworten verlangen. Acht gelbe und zwei rote Karten zeigte der Referee vom ATSV Sebaldsbrück den Seestädtern in einem Spiel, in dem die Härte und Unsportlichkeiten eigentlich eher von den Gastgebern ausgingen. Das Spiel war keine sechs Minuten alt, da wunderten sich die Zuschauer das erste Mal. Michel Haskamp erhielt einen Ellenbogencheck ins Gesicht, aber Schiri Thölken, der gut stand, wollte nichts gesehen haben. Drei Minuten später war Benedetto Muzzicato halb links fast durch, hatte nur noch einen Gegenspieler vor sich. Der foulte ihn klar ersichtlich, doch wieder blieb Thölkens Pfeife stumm. Torchancen für die Seelöwen konnten sich so nicht ergeben. Bitter für den Stürmer: Bei diesem Foul verletzte er sich bereits, spielte aber vorerst weiter. Auf der Gegenseite spielte sich Brinkum zweimal schön in Szene, scheiterte aber mit einem Kopfball aus sechs Metern (15.) und einem trockenen Distanzhammer (21.) am stark reagierenden Wilko Barre. Das erste echte Foul der Bremerhavener leistete sich Adis Muhic nach etwa 22 Minuten. Er sah gelb dafür, was allein für sich betrachtet okay war. Bei vergleichbaren Szenen der Hausherren aber hatte es Thölken vorher (und auch danach) entweder bei Ermahnungen belassen, in der Mehrzahl aber ganz auf das Pfeifen verzichtet. Das Gästepublikum wurde langsam unruhig. Zu einseitig gestaltete Thölken seine Regelauslegung, wurde so zunehmend zum spielbestimmenden Mann. Als Nehat Shalaj nach 24 Minuten ebenfalls einen Ellenbogencheck ins Gesicht erhielt und geschockt stehen blieb, rechneten wohl auch die Brinkumer Zuschauer mit einer klaren roten Karte. Doch wieder wollte Thölken nichts gesehen haben. Vielleicht hatte er es wirklich nicht, denn die aufkommenden schwarzen Wolken verdunkelten den Abend jetzt zunehmend. Und da es in Brinkum kein Flutlicht gibt, musste man sich schon sehr anstrengen, um noch etwas zu erkennen. Gut zu erkennen war auf jeden Fall eine ahndungswürdige Szene in der 35. Minute. Sven Landwehr wurde beim Versuch der Ballannahme umgerempelt, was jeder auf dem Sportplatz am Brunnenweg sah - bis auf Thölken. Eine Minute später hatten die Fans der Seelöwen den Torjubel bereits auf den Lippen, aber Dennis Ewert kam bei einer Weiterleitung von Landwehr nach Flanke von Jusuf Sahin den Bruchteil einer Sekunde zu spät. Im Gegenzug klingelte es dafür im Kasten Wilko Barres. Im Anschluss an einen Freistoß fabrizierte Heinemann eine Kopfballbogenlampe, die sich hinter dem FCB-Keeper ins Tor senkt. Barre, der damit nicht rechnete, war chancenlos. Bitter aber war, dass der Freistoß, der zu dem Tor führte, niemals hätte gegeben werden dürfen, denn Dennis Ewert wurde beim Kopfballversuch weggestoßen. Thölken aber entschied genau anders herum. Den Ausgleich hatte Benno Muzzicato noch in der Schlußminute der ersten Hälfte auf dem Schlappen, sein Schuss wurde aber auf der Linie geklärt. Kurz nach dem Schuss wurde der Stürmer noch erneut gefoult und musste nun in der Halbzeitpause verletzt ausgetauscht werden. Für ihn kam Murat Bektras. Nach dem Halbzeitpfiff zeigten sich Teile des Heimpublikums von ihrer schlechtesten Seite. FCB-Trainer Norbert Riedel wurde auf dem Gang zur Kabine auf übelste Weise beleidigt. Auf ein Eingreifen Brinkumer Ordner wartete man aber vergebens. Der Brinkumer SV begann die zweite Hälfte ebenso rustikal wie man die erste geführt hatte. Doch die nächste gelbe Karte sah wieder ein Bremerhavener: Nehat Shalaj wurde umgerempelt und beschwerte sich darüber. Für Joachim Thölken ein wilkommener Anlass, den Regisseur zu verwarnen. Norbert Riedel reagierte, brachte Dennis Tanski für Shalaj. Eine Auswechslung, die nicht der Leistung Shalajs geschuldet war. Eher wollte Riedel Nehat vor gelb-rot bewahren. Nach einer guten Stunde Spielzeit war der FCB drauf und dran, gegen teilweise mit zehn Mann mauernde Brinkumer den Ausgleich zu erzwingen. Wieder flankte der agile Sahin in den Strafraum, wieder wurde Landwehr weggeschubst. Und wieder versagte Thölken die notwendige Entscheidung. Kurz danach gelang den Hausherren ein richtig schönes Tor. Rose platzierte einen direkten Freistoß derart genau, dass WIlko Barre keine Chance hatte, den Ball noch aus dem Winkel zu fischen (64.). Und fast wäre Brinkum schon mit dem nächsten Spielzug die Entscheidung gelungen, aber Barre faustete eine sehenswerte Direktabnahme noch aus dem Winkel. Doch schon im Gegenzug kamen die Seelöwen wieder heran. Bektas tankte sich auf der linken Seite durch und gab den Ball in die Mitte, haargenau auf Sahin. Der fackelte nicht lange und drosch das Leder in die Maschen. Was jetzt folgte, spottete jeder Beschreibung. Nach einem Foul des FCB kam es zu einer vollkommen übertriebenen Rudelbildung, in deren Verlauf Muhic von Brinkums über den halben Platz gestürmten Torwart Ceglarek geschubst wurde. Der Verteidiger schubste zurück - und sah rot. Warum aber Ceglarek mit der gelben Karte wegkam, bleibt wohl auf ewig Thölkens Geheimnis. Doch auch in Unterzahl agierten die Seelöwen druckvoll und wollten den Ausgleich erzwingen. Immer wieder aber brachte Schiedsrichter Thölken Spieler und Zuschauer durch offensichtlich falsche Entscheidungen gegen sich auf. In der 70. Minute zum Beispiel wurde Sven Landwehr zum dritten Mal im Brinkumer Strafraum umgestoßen. Da die Gastgeber sich sicher sein konnten, dass Thölken nicht pfeifen würde, probierten sie es jetzt garnicht erst mit heimlichem Drücken. Und richtig, Thölken wollte wieder nichts gesehen haben. Dafür hatte er hervorragende Ohren, als er Michel Haskamp in der 88. Minute wegen Meckerns (!) die rote Karte zeigte. Vorangegangen war ein Zweikampf zwischen Michel und einem Brinkumer, bei dem Michel gefoult wurde. Auch in dieser Szene entschied Thölken falsch. Angesichts der offensichtlichen Benachteiligung durch den "Un"parteiischen Thölken am heutigen Tage hatte Michel daraufhin wohl von seinem im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht. Und Thölken? Wenn er schon keine Schubser und Ellenbogenchecks sah, so hörte er doch wenigstens, was ein 25 Meter von ihm entfernt stehender Spieler murmelte... Beim Abschluss dieses skandalösen Pokalspiels war Ceglarek wieder mit beteiligt - Brinkums Torwart, der eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz hätte sein dürfen. Bei einer Abwehr knockte er Murat Bektas im Zusammenspiel mit Abwehrspieler Rose rücksichtslos aus. Wieder ein klarer Elfmeter für den FC Bremerhaven, wieder wollte Thölken nichts gesehen haben. Bektas musste von zwei Mannschaftskameraden bewusstlos vom Platz getragen werden. Brinkums Ceglarek kümmerte sich nicht um das Opfer seiner Boxeinlage, feierte stattdessen nach Schlusspfiff lieber mit seinen Kameraden den nicht sportlich errungenen Sieg. Schlimm: Als der eiligst herbeigerufene Rettungswagen samt Notarzt eintraf, konnte er nicht zum immer noch nicht ansprechbaren Bektas vordringen - die Zufahrt war derart mit Barrieren verbaut, dass die Sanitäter die Fahrzeuge am Eingang abstellen und quer übers Feld laufen mussten. Murat Bektas muss die Nacht in einem Bremer Krankenhaus verbringen, es besteht der Verdacht auf eine schwere Gehirnerschütterung. Ob Thölken überhaupt mitbekommen hat, in was seine heutige Leistung gipfelte? Und was brachte einen bisher stets tadellos leitenden Schiedsrichter dazu, seine Position heute derart zu missbrauchen? FCB-Trainer Norbert Riedel machte aus seinem Herzen dann auch keine Mördergrube. Unumwunden sprach er das aus, was wohl jeder der etwa 180 Zuschauer heute gedacht hat: "Wir wurden klar verpfiffen". Wer würde ihm da widersprechen können? FCB: Barre - Muhic, Chaaban, Haskamp - F. Muzzicato, da Rocha Nunes, Sahin, Shalaj (56. Tanski), Ewert - Landwehr, B. Muzzicato (45. Bektas, 87. Kuzu) Tore: 1:0 Heinemann (38.), 2:0 Rose (64.), 2:1 Sahin (66.) Zuschauer: 180 Schiedsrichter: Joachim Thölken (ATSV Sebaldsbrück) |